Wir sind mehr als Leipzig Live!

 04. Dezember 2019 – von Torsten Reitler

Offener Brief der Leipziger Freien Szene an die Leipziger Volkszeitung zum Wegfall der „Szene“-Seite. Schreibt eure Leser*innenbriefe an die LVZ und macht deutlich, dass der Wegfall der „Szene“-Seite ein Verlust für unsere Stadt ist!

Seit dem 1. November 2019 ersetzt die Seite „Leipzig Live“ die bisherige „Szene“-Seite in der Leipziger Volkszeitung. Dabei handelt es sich um den letzten Schritt einer langen Phase des Ausblutens der Kulturredaktion der LVZ, sowohl personell als auch inhaltlich. Die „Leipzig Live“-Seite vom 4. Dezember präsentiert exemplarisch für das neue Erscheinungsbild einen Gemischtwarenladen aus Anzeigen, Boulevard, Kabarettrezension und Veranstaltungshinweisen, bei denen „In Kürze“ sogar vergessen wird, den Veranstaltungsort zu benennen. „Reihe bietet Texte von Theaterautoren“ – schon die Überschrift ist an Banalität kaum zu überbieten.

Für die Leipziger Kulturszene ist diese weggesparte Wertschätzung durch die einzige halbwegs seriöse Tageszeitung der Stadt ein herber Verlust. Nicht einmal vorrangig, weil die Veranstaltungen der freien Szene einen Kommunikationskanal mit ihrem Publikum verlieren (50 Prozent des Leipziger Publikums entscheiden sich für Veranstaltungen der freien Szene!).

Am schwersten wiegt der Umstand, dass durch diesen redaktionellen Einschnitt das aufgeklärte Leipziger Bürgertum, die Entscheider- und Politiker*innen dieser Stadt, zu deren Informationsportfolio selbstverständlich auch die LVZ gehört, die Arbeit der freien Kulturszene als Marginalie präsentiert bekommen. Diese Leser*innen, die auch in der öffentlichen Debatte das Bild Leipzigs als weltoffene Stadt prägen, als aufgeklärte Insel im mehrheitlich konservativ bis rechts offen wählenden Sachsen, diesen Leser*innen wird die freie Kulturszene jetzt unter „ferner liefen“ präsentiert. In der Aufmerksamkeitsökonomie des 21. Jahrhunderts ist dieser Verlust an öffentlicher Wahrnehmung gleichbedeutend mit dem Verlust öffentlicher Wertschätzung. Die kulturpolitischen Folgen eines solchen Verlustes sind nicht abschätzbar.

In unseren Augen schadet das dem Ruf Leipzigs als Kulturstadt, deren vitales Kunst-, Kultur- und Nachtleben wie ein Magnet für junge Menschen aus ganz Deutschland und Europa wirkt. Menschen, die ihren Lebens- und Arbeitsmittelpunkt auch danach auswählen, welches kulturelle Angebot ihre Stadt bietet, welche geistige und gesellschaftliche Atmosphäre vorherrscht.

Die Inititiative Leipzig+Kultur hat ihr Unverständnis über diese Entscheidung in einem Offenen Brief an die Chefredaktion und die Kulturredaktion formuliert. Wir fordern, dass die Belange der Freien Kulturszene nach diesem redaktionellen Kahlschlag in der Printausgabe zumindest online stärker und vor der Bezahlschranke behandelt werden.
Die Leipziger freie Kulturszene ist viel, viel mehr als „Leipzig live“!

Hier findet ihr den offenen Brief im Wortlaut. Bitte schreibt eure eigenen Leser*innenbriefe an die LVZ und zeigt, was ihr von dieser ärgerlichen Entscheidung haltet! Gerne könnt ihr auch unseren Vorschlag für eure Email oder euren Brief verwenden, den ihr hier herunterladen könnt.

Die Postadresse ist auf dem offenen Brief vermerkt. Eine Email könnt ihr an den Leserservice schicken: email hidden; JavaScript is required.

Vielen Dank!



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