Neuwahl der Spartenvertretung Soziokultur

 02. Juli 2020 – von Falk Elstermann

Seit der Gründung von Leipzig + Kultur werden die Belange der Soziokultur durch die AG Soziokultur, das Arbeitsbündnis der Soziokulturellen Zentren in Leipzig, vertreten. Sicher hat dies auch für Projektgruppen und freie Initiativen zu guten Ergebnissen geführt, jedoch entspricht diese „Vertretungsregelung“ zum einen nicht unserem demokratischen Verständnis und ist zum zweiten auch nicht geeignet, wirklich alle Belange und Problemlagen innerhalb des soziokulturellen Arbeitsfeldes in Leipzig abzubilden.

Dies möchten wir gern ändern und laden alle Akteure der Leipziger Soziokultur für den 13. Juli, 17:00 Uhr zur Gründungsversammlung der (vollständigen) Sparte Soziokultur der Initiative Leipzig + Kultur in das Werk 2, Halle A ein. Wir möchten uns an diesem Abend über strategische Zielstellungen verständigen und streben an, die Wahl unserer Spartenvertretung durchzuführen.

Da die Spartenvertretung Soziokultur innerhalb der Initiative Leipzig + Kultur tatsächlich nur die soziokulturellen Projektträger und Einrichtungen vertreten kann, geben wir im Anhang eine Begriffsbestimmung des Arbeitsbereiches mit, die sich am Kriterienkatalog Soziokultur des Landesverbandes Sachsen orientiert. Anhand dieser kann jede/r Leser*in selbst entscheiden, ob ihre/seine Projektarbeit eindeutig dem Bereich Soziokultur zuzuordnen ist und eine Teilnahme an der Versammlung für sie/ihn Sinn ergibt.

In der Hoffnung auf großes Interesse und zahlreiches Erscheinen

Mit den besten Grüßen
Falk Elstermann
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SOZIOKULTUR | Eine Begriffsbestimmung

Die Bezeichnung Soziokultur resultierte zunächst aus der Kritik einer auf Kunst eingeengten Kultur und Kulturpolitik. Jegliche Kultur solle Soziokultur sein, forderte Hermann Glaser in den 1970er Jahren. Damit war gemeint, Kultur nicht als etwas zu begreifen, das mit dem Alltag, dem Leben der Menschen nichts zu tun hat, also eine rein geistige Sphäre. Es kommt vielmehr darauf an, Kultur als einen zu gestaltenden Ort des Lebens zu begreifen, der für jeden offen und durch jeden zu bereichern ist.

Soziokultur ist jene aktive Kultur, die von allen gemacht und gestaltet wird, vor allem in Einrichtungen und Initiativen, die vor Ort die Stadt, den Stadtteil, die Region beleben und deren Entwicklung mitgestalten wollen. Soziokultur verkörpert aber keine Bewegung gegen die Kunst, sie bezieht im Gegenteil künstlerisches Schaffen ein und will vielen Menschen Zugänge zur Kreativität eröffnen.

Soziokultur lässt sich so als eine breitenkulturelle Praxisform mit sozialräumlicher Ausrichtung beschreiben, die viele Menschen erreicht und aktiv einbindet. Sie ermöglicht Podien für generations- und spartenübergreifende Gestaltung, politische Bildung, künstlerische Betätigung und Kommunikation. Zentrale Bedeutung haben darüber hinaus auch Themen der Umwelt-, Friedens- oder Frauenbewegung. Neben einem reichhaltigen Veranstaltungsbetrieb gibt es in den Zentren Kursangebote, Gruppenarbeiten und gastronomische Angebote.

Im Fokus soziokultureller (Projekt)-Arbeit stehen künstlerische bzw. kulturelle Prozesse, die gemeinsam mit den aktiven Teilnehmer*innen konzipiert und realisiert werden. Das Hauptaugenmerk gilt dabei jedoch nicht dem reinen Kunstprodukt sondern dem Prozess der künstlerischen Aneignung der Welt und dem künstlerisch-ästhetischen sowie politischen Empowerment aller Beteiligten. Soziokulturelle Projekte setzen hohe Anreize für eine aktive Mitwirkung von Bürgerinnen und Bürgern, gewährleisten niedrigschwellige Zugänge, stellen Öffentlichkeit her und ermöglichen den öffentlichen Diskurs und sie enthalten wirksame Instrumente der Qualitätssicherung.

Soziokultur setzt auf die Verbesserung der Lebens-und Arbeitsbedingungen der Menschen mit künstlerischen und kulturellen Mitteln. Sie will sowohl ästhetische und kommunikative als auch soziale Bedürfnisse und Fähigkeiten aller Bürger*innen aufgreifen und erweitern. Die Durchführung soziokultureller Projekte trägt zur kulturellen Chancengleichheit bei und entwickelt so die demokratische Kultur in der Bundesrepublik Deutschland weiter.