#kulturstark: 11 Fakten und Argumente für die Freie Szene Leipzigs

 19. September 2018 – von Sebastian Weber

Mit der Kampagne #kulturstark macht die Freie Szene auf den immensen Wert der freien Kunst und Kultur für Leipzig aufmerksam, aber auch auf die drastische Unterversorgung derer, die diesen Reichtum schaffen.

Dazu einige Fakten und Argumente.

WIE LEIPZIG VON DER FREIEN SZENE PROFITIERT

Mehr als die Hälfte des kulturellen Lebens der Stadt ermöglicht die Freie Szene

Bereits im Jahr 2005 ergab eine repräsentative Erhebung, dass 50% aller Veranstaltungsbesuche in Produktionen der Freien Szene stattfinden. Dazu kommen noch zahlreiche Workshops, Vermittlungsformate und Projekte der kulturellen Bildung. Dennoch erhält die Freie Szene nur rund vier Prozent des Kulturetats.

Die Freie Szene ist Exportschlager

Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass Leipziger Projekte nach Österreich, Kanada, Malta, Litauen, Japan, Mexiko, Frankreich, Spanien, Polen, Israel, Chile, Italien, Tschechien, Ungarn, England, die Niederlande, Schweiz und die USA eingeladen wurden – und das allein in der ersten Jahreshälfte 2018!

Künstler*innen aller Sparten sind internationale Aushängeschilder der Stadt und tragen jedes Jahr zum Ansehen Leipzigs bei – in Deutschland, Europa und der ganzen Welt!

Freie Szene erreicht die Menschen vor der Haustür

Die Angebote der Freien Szene sind dezentral, inklusiv und vernetzt. Sie ermöglichen Rezeption und Teilhabe für Leipziger jeden Alters und jeder gesellschaftlichen Prägung, und das von Grünau bis Gohlis, von Sellerhausen bis Lindenau.

Ein Großteil der freien Künstler*innen arbeitet sowohl künstlerisch, als auch in soziokulturellen und pädagogischen Zusammenhängen – eine Verbindung von der beide Seiten profitieren.

Freie Szene fördert Nachwuchs

Leipzig ist dank seiner vielen Ausbildungsinstitutionen eine bundesweit bedeutende Talentschmiede für Künstler*innen aller Sparten. Die Freie Szene bietet Freiräume für die Herausbildung neuer künstlerischer Handschriften und Arbeitsweisen.

Freie Kultur bildet politisch und künstlerisch

Die Freie Szene mischt sich ein und bezieht Stellung. Sie aktiviert Menschen, sich mit der Gesellschaft auseinanderzusetzen und ist deswegen eine wichtige soziale Kraft – ja, geradezu ein Wesensmerkmal pluralistischer, demokratischer Gesellschaft.

Gerade in schwierigen Zeiten ist es die Kultur, die eine optimistische, angstfreie Stimmung schafft. Wer sich Leipzig als vielfältige, weltoffene, facettenreiche Stadt vorstellt, muss sich eine ebensolche Kulturszene wünschen!

Freie Szene ist Türöffner zu kultureller Erfahrung

Wer heute Ballettkenner oder Opernfan ist, ins Theater oder zu Konzerten geht, oder selbst als Künstler*in tätig ist, hat in der Regel seine ersten kulturellen Erfahrungen als Kind oder Jugendlicher in der Freien Szene gemacht.

Freie Szene macht Leipzig attraktiv

Leipzig wächst und profitiert davon, denn der Zuzug junger, gebildeter und engagierter Bürger ist ein Schlüssel zu Erfolg und Wohlstand.

Dabei ist das kulturelle Angebot ein zentrales Attraktivitätsmerkmal im Wettbewerb der Städte. Kultur bestimmt die Qualität urbanen Lebens und muss so vielfältig sein wie die Menschen selbst.

Freie Kultur ist Impulsgeber für Kunst und Gesellschaft

Die Freie Kultur reagiert seismographisch auf gesellschaftliche Tendenzen. Sie identifiziert Handlungsfelder und lotet Themen aus, oft lange bevor sie den Mainstream-Diskurs erreichen. Dieses Moment der Avantgarde inspiriert und vitalisiert Zivilgesellschaft. Ideen und Wertevorstellungen werden überprüft und entwickelt.

Kulturförderung ist rentabel

Obwohl Investitionen in Kultur nicht rein wirtschaftlich betrachtet werden dürfen, lohnt sich die Freie Szene für Leipzig auch finanziell: Für jeden Euro, den die Stadt in ein Projekt der Freien Szene investiert, akquirieren die Kulturschaffenden drei weitere Euro aus anderen Quellen, wie z. B. den Förderinstitutionen von Land und Bund. Für die Stadt ist das eine Rendite von 300%! Die zusätzlichen wirtschaftlichen Vorteile durch Umwegrentabilität – also z. B. durch Umsätze, die die Besucher von Veranstaltungen in Restaurants oder Hotels machen – kommen noch dazu.

WARUM DIE FREIE SZENE JETZT GESTÄRKT WERDEN MUSS

Freie Künstler erreichen noch nicht mal Mindestlohn

Zahlreiche neue Erhebungen zeigen, dass die Akteure der Freien Szene zu den „working poor“ der Gesellschaft gehören und direkt von Armutsfolgen betroffen sind.

Eine Umfrage zum Honorarniveau in der Sparte Darstellende Künste 2017 ist so erschreckend wie beispielhaft für die gesamte Freie Szene in Leipzig. Demnach liegt das durchschnittliche Tageshonorar der Künstlerinnen und Künstler bei 47 Euro. Das entspricht rund 26% des empfohlenen Mindesthonorars und liegt sogar gravierend unter dem gesetzlichen Mindestlohn für Angestellte.

Und dabei sind nur diejenigen Projekte berücksichtigt, die Fördermittel von der Stadt erhalten!

Ressourcen werden verschwendet

Die Akteure der Freien Szene sind mehrheitlich akademisch ausgebildet, sprechen mehrere Sprachen und sind überregional vernetzt. Sie arbeiten hoch motiviert, mobil, flexibel und effizient.

Wegen der katastrophalen Honorarsituation in der Freien Szene gehen viele Kulturakteure weg aus Leipzig oder müssen zusätzliche Jobs wahrnehmen, die nichts mit der Produktion von Kunst zu tun haben. Wenn der Autor/ Regisseur/ Choreograph/… kellnert, statt das zu tun, was er aufwändig gelernt hat, geht sein Potential für die Gesellschaft verloren.

#kulturstark: Kampagne für die Freie Szene

Um die Situation zu verbessern, ist ein Paradigmenwechsel in der Kulturpolitik nötig. Die Vorschläge der Freien Szene sind in der Kampagne #kulturstark zusammengefasst.

Die Liste der hier aufgeführten Fakten und Argumente steht als PDF zum Download zur Verfügung.