Die Initiative Leipzig + Kultur

Die Initiative Leipzig + Kultur versteht sich als Interessenvertretung aller Kulturinitiativen, Projektgruppen und Kultureinrichtungen in nicht öffentlicher Trägerschaft sowie aller freischaffenden KünstlerInnen der Stadt Leipzig.

Zentrales Anliegen der Initiative ist es, die Produktions- und Präsentationsbedingungen für freie Kulturprojekte zu verbessern, die Position freier Kultur in Leipzig in der Politik und im öffentlichen Bewusstsein anzuheben und zur Vernetzung der Akteure beizutragen. Leipzig + Kultur will auf der Grundlage der bisher erstellten und weiter zu qualifizierenden Entwicklungskonzepte der einzelnen Sparten gemeinsam mit Politik und Verwaltung die Förderrichtlinien, -kriterien und -instrumente sowie das Vergabeprozedere weiter entwickeln und die Kulturförderung bedarfsgerecht, transparent und partizipativ gestalten. Leipzig + Kultur will die grundlegenden Anliegen, Interessen- und Problemlagen freier Kulturschaffender gegenüber den Medien und in der Öffentlichkeit vermitteln.

Ende der 1990er Jahre gründeten eine Handvoll freie Künstler, Vereine und Kulturzentren die Initiative Leipzig + Kultur, um gemeinsam etwas gegen die jährlich wiederkehrenden Förderkürzungen bei der Freien Kulturszene zu unternehmen. Seitdem hat sich L+K zum kulturpolitischen Sprachrohr der Szene und ersten Ansprechpartner für Stadtrat und Kulturverwaltung für die Belange der Freien Kultur in Leipzig entwickelt.

In den ersten Jahren ihres Bestehens versuchte die Initiative mit Kunstaktionen die Aufmerksamkeit des Stadtrates auf die Situation der Freien Szene zu lenken. Erinnert sei hier nur an das eindrucksvoll zersägte Klavier im Festsaal des Rathauses oder die weißen Gestalten, die in der oberen Wandelhalle auf dem Boden lagen, so dass die Stadträte auf ihrem Weg zum Plenarsaal über diese steigen mussten. Über der Szenerie ein Transparent mit der Aufschrift „Übergeht uns nicht länger“.

Jedoch erst mit dem „Weißen Januar“, einer regelrechten Streikaktion zu Beginn des Jahres 2002, in der demonstriert wurde, wie farblos der Kulturkalender unserer Stadt wird, wenn alle Positionen, die normalerweise durch Aktivitäten der Freien Szene gefüllt sind, frei bleiben, kam etwas in Bewegung. Zum ersten Mal hatten wir den Eindruck, dass unsere Argumente angehört, unsere existentiellen Nöte zumindest erahnt wurden.

Mit dem Runden Tisch für Freie Kultur gründete sich ein Gremium aus Politik, Verwaltung und Vertretern der Freien Szene, das gemeinsam die Rahmenbedingungen für freie Kulturarbeit in Leipzig verbessern wollte. Immerhin ein halbes Jahr hat dieses Bündnis gehalten und entstanden ist ein Thesenpapier, das helfen sollte die politische Lobby der Freien Szene zu stärken. Das war ein verheißungsvoller Anfang – aber leider auch ein kurzer Frühling.

Die freien Künstler und Initiativen hatten mit ihrem täglichen Überlebenskampf alle Hände voll zu tun und in der Folge keine Kraft, permanent am politischen Ball zu bleiben. So sanken bis zum Sommer 2007 die Fördermittel der Freien Szene um mehr als ein Viertel, während der Kulturetat insgesamt um 8% – anstieg. Ein unglaublicher Raubbau an der Basis unserer Kulturstadt, der aber gleichzeitig den Boden bereitete für ein erneutes Aufbäumen der Vergessenen.

Es entstand der „Forderungskatalog für freie Kulturarbeit“ und Leipzig + Kultur kehrte auf die politische Bühne zurück. Für die vielen großartigen Kunstprojekte, die sterben und für das einzige Kulturhaus in Stötteritz, das in dem Jahr schließen musste, wurde in einer beeindruckenden Kunstaktion der Leipziger Kulturfriedhof mitten in der Innenstadt errichtet und immer mittwochs zur Ratssitzung vor dem Plenarsaal aufgebaut. Wir entwickelten die Kampagne Fünf für Leipzig – 5% vom Kulturetat für die Freie Szene, führten unzählige Hintergrundgespräche, belebten den Runden Tisch neu, aktivierten die Leipziger Bevölkerung und bekamen am 17. September 2008, was wir gefordert hatten: den Stadtratsbeschluss, die Mittel für die Freie Szene schrittweise von damals 2,4% auf 5% anzuheben.

Das war der Beginn eines grundsätzlich neuen Umgangs von Politik, Verwaltung und Akteuren miteinander in unserer Stadt. Heute diskutieren wir mit den Leipziger Kulturpolitikern über wesentlich mehr als Zahlen, als nur über Geld. Aktuell werden die Rahmenrichtlinie und die Fachförderrichtlinie Kultur der Stadt überarbeitet. Ein Prozess, in den sich Leipzig + Kultur mit Nachdruck einbringt, weil hier die Rahmenbedingungen für freie Kulturarbeit in der Zukunft definiert werden. Ebenso sind wir in intensiven Gesprächen mit den städtischen Entscheidungsträgern zur Gestaltung von mehr Transparenz, zur Erhöhung der fachlichen Qualität und der demokratischen Legitimation im städtischen Förderverfahren sowie zur Verankerung von gemeinsam entwickelten Strategien für die Zukunft der Freien Kulturszene.

Mit dem internationalen Kongress kultur | standort.bestimmung haben wir im September 2015 einen europaweit beachteten kulturpolitischen Impuls gesetzt und den Diskurs über einen modernen Kulturbegriff sowie die Aufgaben und Rahmenbedingungen freier Kulturarbeit weiter vorangetrieben.

Bei ihrer Neugründung im Jahr 2007 hat sich die Initiative Leipzig + Kultur eine Struktur gegeben, in der die wesentlichen Handlungsfelder freier Kultur abgebildet sind. Wir haben 7 Sparten formiert,  deren Vertreter von den Künstlern der jeweiligen Genres gewählt werden und gemeinsam den Sprecherrat bilden. Dieser fungiert als der Ansprechpartner der Freien Szene für Politik und Verwaltung und wird – anders als noch im Sommer 2002 – von diesen auch durchgängig akzeptiert.

2014 gründeten wir den Verein Leipzig + Kultur e.V. als strukturelle Unterstützung der Initiative und um kulturpolitische Projektarbeit leisten zu können. So ist es uns gelungen, die Bedürfnisse der freien Künstler in die politischen Prozesse einzubringen. Jede Sparte hat eine mittelfristige Entwicklungskonzeption erarbeitet und unser Ziel ist es, diese zur Grundlage für Schwerpunktsetzungen in der Kulturförderung zu machen.

Wir wollen eine selbstbestimmte Kultur und eine von den Akteuren mitbestimmte Kulturpolitik!


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